9.1 Ammoniumnitrat (ANFO & ANNM)

  • Detonationsgeschwindigkeit: 2500 m/s (1.4 g/cm3)
  • Schlagempfindlichkeit: 49 J
Der Kunstdünger Ammoniumnitrat kann auch als Sprengstoff verwendet werden. Dieser Umstand führte am 21. September 1921 zu einer Explosionskatastrophe im Stickstoffwerk Oppau der Firma BASF. Das Ammoniumnitrat war mit 45 % Ammoniumsulfat versetzt, was Explosionen eigentlich unwahrscheinlich macht. Die Mischung wird durch Wasseraufnahme steinhart. Um es zu lockern, wurde in Oppau Dynamit eingesetzt, was über 20000 Mal problemlos verlief.

Aber an diesem Tag detonierten bei einer solchen Lockerung 4500 t Düngemittel. Die Explosivkraft entsprach einer kleinen Atombombe von ungefähr ein bis zwei Kilotonnen TNT.

Abb. 52 - Stickstoffwerk Oppau nach der Explosion.

Von 1000 Wohnungen in Oppau wurden 900 zerstört, wodurch 7500 Menschen obdachlos wurden. An der Stelle des Lagergebäudes entstand ein Krater von 125 Meter Länge, 90 Metern Breite und 19 Metern Tiefe. Der Explosionsknall soll bis in das 80 Kilometer entfernte Frankfurt am Main zu hören gewesen sein. Selbst in München wurden zwei dumpfe Schläge gehört.

ANFO = AmmoniumNitrat-Fuel- Oil
  • Bestandteile: 94 % Ammoniumnitrat, 6 % Dieselöl
  • Verwendung: Bergbau (Salzgewinnung)

ANNM = AmmoniumNitrat-Nitro Methan

  • Bestandteile: 94–96 % Ammoniumnitrat, 6–4 % Nitromethan
  • Verwendung: Bergbau (Salzgewinnung)

ANNM wurde auch für den Terroranschlag am 19.4.1995 in Oklahoma City eingesetzt. 2.4 t des Sprengstoffes wurden zur Detonation gebracht. Dabei kamen 168 Menschen ums Leben, 800 Personen wurden verletzt und 300 Gebäude beschädigt. Die Explosion war noch in 1.5 km Entfernung zu spüren [85], [86], [87].

Abb. 53 - Terroranschlag in Oklahoma City.

 

9.2 Acetonperoxid (TATP, APEX)

  • Herstellung: säurekatalysierte Kondensation von Wasserstoffperoxid und Aceton
  • Detonationsgeschwindigkeit: 4500–5500 m/s
  • Schlagempfindlichkeit: 0.3–3.1 J
  • Reibeempfindlichkeit: 0.1–2.22 N
  • Elektrostatische Empfindlichkeit: 5.6 mJ

Abb. 54 - Strukturformeln der bekannten Acetonperoxide.

 

Acetonperoxid wurde im Jahr 1895 von Richard Wolffenstein (1864–1929) an der Technischen Hochschule Berlin zufällig entdeckt. Ein Herstellungsverfahren für Acetonperoxid wurde von ihm im Jahr 1895 unter der Nummer D.R.P. 84953 in Deutschland zum Patent angemeldet. Die extreme Schlagempfindlichkeit, Flüchtigkeit (6.5 % in 24 h bei 14–18 °C) und mangelnde Stabilität verhinderten jedoch jegliche praktische Nutzung.

Es sind bisher drei verschiedene Peroxide des Acetons bekannt. Je nach Herstellungsverfahren erhält man ein dimeres, trimeres oder tetrameres Produkt, welches erst 1999 durch chinesische Forscher entdeckt wurde. Wegen der einfachen Herstellung wird Acetonperoxid gerne von Jugendlichen, sogenannte »APEX-Kiddies« und Terroristen verwendet. Bei dem Terroranschlag auf die U-Bahn in London wurde Acetonperoxid eingesetzt [88], [89], [90], [91].

Abb. 55 - Acetonperoxid.

 

9.3 Hexamethylentriperoxiddiamin (HMTD)

  • Herstellung: säurekatalysierte Kondensation von Wasserstoffperoxid und Hexamethylentetramin
  • Verwendung: Initialsprengstoff (nur kurzzeitig)
  • Detonationsgeschwindigkeit: 4500–5100 m/s
  • Schlagempfindlichkeit: 0.4–1.5 J
  • Reibeempfindlichkeit: 0.1–0.82 N
  • Elektrostatische Empfindlichkeit: 8.8 mJ
Abb. 56 - Strukturformel HMTD.
HMTD wurde im Jahr 1885 von L. Legler in Dresden hergestellt. Adolf von Baeyer (1835–1917) und V. Villinger konnten 1900 HMTD aus Ammoniumsulfat, Formaldehyd und Wasserstoffperoxid synthetisieren. 1912 entdeckte Freiherr Conway von Girsewald in Berlin eine andere Synthesemöglichkeit und meldete HMTD als Initialsprengstoff zum Patent an.

Die geringe Schlagempfindlichkeit führte bald dazu, dass HMTD als Initialsprengstoff nicht mehr verwendet wurde. Aber unter Jugendlichen und Terroristen erfreut sich dieser Stoff wegen seiner einfachen Synthese größter Beliebtheit [92], [93], [94], [95].

Abb. 56 - HMTD.

 

 

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